Flexible Schuleingangsphase

Kinder unterscheiden sich deutlich in ihrem Einschulungsalter, ihren Erfahrungen, ihren bereits erworbenen Kompetenzen, in ihrer sozio-kulturellen und ökonomischen Herkunft. Zudem lernen Kinder unterschiedlich schnell, unterschiedlich viel und auf verschiedenen Wegen. Die Grundschule hat deshalb den Auftrag, mit Unterrichtskonzepten zu arbeiten, die die Ansprüche an Differenzierung und Individualisierung einlösen. Eine Möglichkeit ist die Gestaltung einer flexiblen Schuleingangsphase-FLEX.
Informationsmaterial zum Thema “FLEX” ist in der Schule erhältlich.

Mit neuem Anfangsprogramm für Schulanfänger seit dem Schuljahr 2004/2005

  • Flexibler Anfangsunterricht für Einzuschulende ab 5 Jahren
  • Lerntheoretisch strukturierter und jahrgangsgemischter Unterricht
  • Individuelle Kompetenzentwicklung durch Fördern, Fordern und Frühförderung
  • Flexibler Schulaufnahmetermin zum Schulhalbjahr, keine Rückstellung, integrative Beschulung
  • Individuelle Verweildauer in der Schuleingangsphase, Nichtanrechnung des 3. Verweiljahres
  • Flex-Team: Klassenlehrkraft, Teilungslehrer und Sonderpädagogen
  • Vielfalt methodischer und didaktischer Unterrichtsformen
  • Individuelle Lerrnstandsanalyse, Entwicklungspslan, Diagnostik und Prävention für jedes Kind

Standards und Kriterien der Pädagogischen Arbeit an Schulen mit flexibler Schuleingangsphase
Auszüge aus: LISUM Landesinstitut für Schule und Medien Brandenburg,“FLEX-Handbuch 1”,
Autorinnen und Autor: K. Averdiek, E. Bendel, I. Betker, K.H. Blanck, R. Branzke, K. Kohle, K. Liebers, E. Matthes, U. Wonneberger

Link: Brandenburgischer Bildungsserver / Flexible Schuleingangsphase

Das Anliegen der flexiblen Schuleingangsphase

Seit den neunziger Jahren wurden eine zunehmende Heterogenität von Kindern in der Grundschule und ein Ansteigen des Einschulungsalters in Deutschland beschrieben und bildungspolitisch problematisiert. Der Anteil der vorzeitigen Schulanfänger ging von 6 % im Jahr 1978 auf durchschnittlich 3 % im Jahr 1990 zurück. Gleichzeitig pendelte sich der Anteil verspätet eingeschulter Kinder je nach Bundesland auf 8 - 12 % ein. Individuelle Entwicklungsdifferenzen von 2 - 3 Lernjahren werden bereits in der Schuleingangsklasse zur Regel. Die KMK reagierte auf diese Problemlage durch eine bundesweite Diskussion zur Neugestaltung des Schulanfangs. In ihren “Empfehlungen zum Schulanfang” vom 24.10.1997 hat die KMK sehr deutlich einen erheblichen Innovationsbedarf für die Differenzierung, Individualisierung und zielgruppenspezifische Förderung im Rahmen der Schuleingangsphase festgestellt.

In den einzelnen Bundesländern wurden diese Empfehlungen mit zahlreichen Programmen zur Erneuerung des Schulanfangs umgesetzt. Das Modell der flexiblen Schuleingangsstufe spielt dabei eine wichtige Rolle. Inhaltliche Schwerpunkte wie die Förderung von schneller und langsam lernenden Kindern, flexible Verweildauer, Prävention von Schulversagen, Erprobung von Jahrgangsmischung und Rhytmisierung sowie sonder- und sozialpädagogischer Förderung, aber auch Verzahnung mit Kitas und Vorklassen finden sich in nahezu allen Schuleingangsstufenmodellen wieder.

Das Schulgesetz des Landes Brandenburg reagiert u.a. mit § 3, dass Kinder mit Begabungen, mit sozialen Benachteiligungen und Kinder mit Behinderungen besonders zu fördern sind. § 19 des Brandenburgischen Schulgesetzes legt fest, dass ab 1. August 2003 (Änderung) die Jahrgangsstufen 1 und 2 als flexible Eingangsphase geführt werden können.

Kinder unterscheiden sich deutlich in ihrem Einschulungsalter, ihren Erfahrungen, ihren bereits erworbenen Kompetenzen, in ihrer sozio-kulturellen und ökonomischen Herkunft. Zudem lernen Kinder unterschiedlich schnell, unterschiedlich viel und auf verschiedenen Wegen. Die Grundschule hat deshalb den Auftrag, mit Unterrichtskonzepten zu arbeiten, die die Ansprüche an Differenzierung und Individualisierung einlösen. Daher muss die Grundschule stärker als bisher Unterrichtsinhalte nutzen und Unterrichtsprozesse organisieren, die der größeren sozialen und kulturellen Vielfalt von Lebenseinstellungen, Verhaltensweisen und Leistungsmöglichkeiten der Kinder gerecht werden. Aufgabe der Grundschule ist es, eine Lernkultur zu entwickeln, welche die vorhandenen Heterogenität im Bereich der Leistungen positiv für den individuellen Lernprozess nutzt. Das erfordert, dass Lehrkräfte im Unterricht diagnostisch tätig sind, um die passfähigen Angebote zur jeweiligen Lernausgangslage zu ermitteln.

Unter den Aspekten eines lerntheoretisch strukturierten und Jahrgangsgemischten Unterrichts sollen Kinder die Chancen wahrnehmen können, die sie einmalig in diesem Lebensabschnitt ihrer Lernzeit haben werden.

Angesichts der Bedeutung dieser sehr sensiblen Phase der Schuleingangsphase für die generelle Leistungsentwicklung stellte sich für FLEX das Ziel, den Schulanfang für alle Kinder zu optimieren. Dies erfolgt durch die Schaffung einer jahrgangsstufenübergreifenden Organisationsform, in der die individuelle Kompetenzentwicklung in einen unterstützenden Sozialkontext eingebunden ist.

Kriterien der pädagogischen Arbeit an FLEX-Schulen

Aufnahme aller Kinder ohne Zurückstellung, Wiederholung und Ausschulung

Es sollen alle schulpflichtigen Kinder ohne Zurückstellung aufgenommen werden. Wiederholung oder Ausschulung sind in der FLEX nicht vorgesehen.Unterstützung der vorzeitigen Schulaufnahme

Unterstützung der vorzeitigen Schulaufnahme

Eine vorzeitige Schulaufnahme ab dem vollendeten 5. Lebensjahr ist möglich und wird unterstützt.

Flexibler Schulaufnahmetermin zum Schulhalbjahr

Es besteht die Möglichkeit, dass Kinder während des laufenden Schuljahres in der Regel zum Schulhalbjahr aufgenommen werden. Die Entscheidung trifft dazu die Schule.

Individuelle Verweildauer von 1-3 Jahren in der Schuleingangsphase
(Nichtanrechnung des dritten Verweiljahres)

Die individuelle Verweildauer soll einen Beitrag zur Optimierung des Schulanfanges leisten. Aufgrund der Erfahrungen ist statistisch davon auszugehen, dass in jeder FLEX-Klasse in jedem Jahr Kinder lernen werden, für die eine längere oder kürzere Verweildauer angeraten ist. Eine Verweildauer von zwei Jahren stellt jedoch die Regel dar.

Zielgruppenspezifische Förderung schneller lernender Kinder

Schneller lernende Kinder sollen in der FLEX individuell gefördert weden. Dazu gehören neben der Unterstützung der kürzeren Verweildauer ebenso anreichernde Lernangebote.

Zielgruppenspezifische Förderung langsam lernender Kinder
(Prävention von Lernschwierigkeiten)

Langsam lernende Kinder sollen in der FLEX gezielt gefördert weden. Durch ein drittes Verweiljahr und durch präventive Maßnahmen sollen die Entstehung von sonderpädagogischem Förderbedarf und Stigmatisierung möglichst verhindert und soll ein guter Start in die Jahrgangsstufe 3 ermöglicht werden.

Lernen im jahrgangsstufenübergreifenden Unterricht

Die Heterogenität der Lernanfänger erfordert eine veränderte Unterrichtsgestaltung, die mit jahrgangsstufenübergreifendem Unterricht realisiert wird.

Prinzipien und Methoden des offenen Unterrichts

Da die Kinder sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen besitzen, ist es erforderlich, den Unterricht so zu organisieren, dass individuelle Lernwege möglich sind. Besonders geeignet sind dafür Formen des offenen Unterrichts.

Sozialerziehung als prägender Bestandteil

Rhytmisierter Tagesablauf

Der Unterricht wird unter Berücksichtigung der Belastbarkeit, der Konzentrationsfähigkeit und der Bewegungsbedürfnisse der Kinder sowie der fachlichen Notwendigkeit variabel gestaltet. Hierfür wird der Zeittakt von 45 Minuten aufgelöst und der Schulvormittag durch Unterricht und Pausen rhythmisiert.

Inselschule Töplitz
Verlässliche Halbtagsgrundschule mit intergrierter Kindertagesbetreuung